Frauen, die lesen, sind gefährlich und klug.

Wolfgang BORCHERT: Draußen vor der Tür

Erstveröffentlichung: 1947

"Ein Stück, das kein Theater spielen und kein Publikum sehen will."

Inhalt:
Der fünfundzwanzigjährige Beckmann kommt aus dem Krieg. Humpelnd und mit Gasmaskenbrille stellt er für manche nur eine Lachnummer dar. Vielleicht deshalb, weil sie die Schrecken der vergangenen Jahre nicht sehen wollen. Denn damit konfrontiert Beckmann sie.

Oberst: Was wollen Sie denn von mir?
Beckmann: Ich bringe sie Ihnen zurück.
Oberst: Wen?
Beckmann (beinah naiv): Die Verantwortung. Ich bringe Ihnen die Verantwortung zurück. (...) Verantwortung ist doch nicht nur ein Wort, eine chemische Formel, nach der helles Menschenfleisch in dunkle Erde verwandelt wird. Man kann doch Menschen nicht für ein leeres Wort sterben lassen.
S. 25 f
Doch Beckmann bemüht sich vergebens. Er ist nicht mehr dort zu Hause, wo er es vor dem Krieg noch war. Er ist nirgendwo mehr zu Hause.

Bewertung:
Mit seiner direkten, einfachen Sprache kann Borchert große Gefühle hervorrufen. Man leidet mit Beckmann, kann seine Gedanken nachvollziehen. Nachdem ich es vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen habe, blieb es mir wie kein anderes im Gedächtnis. Das, finde ich, sollte ein richtig gutes Buch ausmachen.

Lieblingszitat:
"Mit der Wahrheit ist es wie mit einer stadtbekannten Hure. Jeder kennt sie, aber es ist peinlich, wenn man ihr auf der Straße begegnet. Damit muß man es heimlich halten, nachts. Am Tage ist sie grau, roh und häßlich, die Hure und die Wahrheit. Und mancher verdaut sie ein ganzes Leben nicht." (S. 33 f)

Meine Fassung:
Borchert, Wolfgang: Draußen vor der Tür. Hamburg, 2005: Rowohlt.
25.12.10 20:51
 


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